nachgefragt mit Juli Zeh
erstellt am | nachgefragt-News
Denn Juli Zeh hat etwas zu sagen. Egal ob in ihren Romanen, ihren Theaterstücken oder Essays - die promovierte Juristin beherrscht die Sprache und schreibt über all die Dinge, die ihr nicht passen, vom Werteverlust über das Gesundheitssystem bin hin zum Überwachungsstaat. Seit ihrem fulminanten Debüt „Adler und Engel“ werden ihre Romane in über 29 Sprachen übersetzt, sie hat alles an Preisen abgeräumt, was die deutschsprachige Literaturszene zu bieten hat, und wird trotzdem nicht aufhören, ihre Stimme zu erheben. Und jetzt erhebt sie sie bei uns.
Juli Zeh im Gespräch mit Anna Günther und Marlene Scharpf
am 18.11.2011, 15.30 Uhr, Rotteck-Gymnasium Freiburg
Daumen hoch für Zeh unplugged
„Auf die Plätzchen fertig los“, hieß es für Juli Zeh, eine der lautesten Stimmen der deutschen Literaturszene, am Freitag, den 18. November 2011 beim ersten „nachgefragt“-Gespräch in der Aula des Rotteck Gymnasiums. Mit Witz und Humor stellte sich die „Metaphernkönigin“ den Fragen der beiden 16-jährigen Moderatorinnen Anna Günther und Marlene Scharpf und brachte so alle Glühbirnen an diesem Abend zum Leuchten.
Ihr Talent für Bildsprache stellte Juli Zeh schon bei den ABCD-Fragen in den ersten Minuten des Interviews unter Beweis. Aus einem vorgeschlagenen Euro-Rettungsschirm machte sie spontan ein Rettungswindrad, das sich, so Juli Zeh, „wenigstens schön dreht“. Doch so frei mit ihren Ideen ging sie nicht immer um. In ihrer Kindheit versenkte sie ihre ersten Geschichten in einem selbst gebohrten Loch im Dielenboden ihres Kinderzimmers, um sie vor „dem ungeheuerlich Peinlichen“ zu bewahren. Peinlich war ihr bei „nachgefragt“ nichts, nicht einmal das Plätzchenbacken, obwohl sie anfangs fürchtete in blau karierter Küchenschürze auf Youtube exponiert zu werden. Zurück zu der Glühbirne. Nicht ihr „Bling“ ist der Auslöser für ihre Ideen, sondern sie entstehen mehr aus „einer Wolke schwirrender Glühwürmchen“, leuchtender Ideen, nach denen man Greifen kann. Wie Glühwürmchen, wird die Autorin auch erst nach 22 Uhr aktiv. Arbeiten, so sagt sie, tut sie „gar nicht gerne“. Das war in der Schule nicht anders, die Füße auf dem Tisch, direkt vor den Augen des Direktors, das traut sich nicht jeder.
Doch nicht nur Anekdoten aus der Schulzeit locken die beiden Schülerinnen aus „dem Zeh“ heraus, auch an der Frage, was es mit dem „Baum“ auf sich habe, kommt sie nicht vorbei. Eine Rucksackreise mit ihrer Freundin in Japan, ein leerer Campingplatz, der bald unter Wasser stand und schließlich ein rettender Baum, der sie sechs Stunden vor einem Taifun schützte. Auf Risiko stößt sie nicht nur in ihrem Leben, sie schreibt auch in ihren Büchern über den Nervenkitzel und das Schreckliche, das sie so sehr fasziniert. In Freiburg ist sie übrigens nicht zum ersten Mal, in „Schilf“, ihrem Roman, wurde das Ökostädtchen zum Tatort, gerade weil es hier, in Freiburg, so „idyllisch“ ist. Wie sagte sie so schön: ein „stadtgewordener Ablassbrief“.